Sex worth having? Lust und Unlust in langjährigen Beziehungen
- Ramona Zenger
- 29. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Ich erlebe in meiner Praxis oft Paare, die sagen: Wir haben noch Sex, aber er fühlt sich langweilig und leer an. Oder: Eigentlich haben wir seit Jahren keinen Sex mehr, und wir reden auch kaum darüber. Beides ist häufig. Oftmals gibt es eine Person, die es eigentlich gerne anders hätte, und eine andere, die sich stillschweigend arrangiert hat.

Dabei ist die Vorstellung, dass Sexualität in langen Beziehungen immer mit der Zeit verschwindet, falsch. Ja, die intensive Anfangsphase lässt nach. Das ist biologisch sinnvoll – wir können nicht über Jahre und Jahrzente im Zustand der Verliebtheit verbringen. Die Phase danach ist oftmals ruhiger und tiefer. Manche Paare finden darin eine neue, stimmige Form von Sexualität, andere verlieren die Lust. Dabei verschwindet meist nicht die Lust an Sexualität per se, sondern vielmehr, ist die zu Verfügung stehende Sexualität nicht die, die man wirklich möchte: der "Sex worth having". Viele Menschen – vor allem Frauen – haben durchaus Lust auf Erotik, Nähe oder Leidenschaft, aber nicht auf die Art von Sex, die sich über Jahre eingeschliffen hat. Das auszusprechen ist schwierig, weil es verletzen kann. Also schweigt man lieber. Und genau dort stirbt Lust meistens leise.
Unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse sind in Beziehungen eher die Regel als die Ausnahme. Das Problem sind jedoch nicht die Unterschiede, sondern der Umgang damit. Wenn eine Person leidet und die andere findet, es sei doch eigentlich okay so, entsteht ein Ungleichgewicht, das sich selten von selbst löst. Sexualität wird dann entweder zum Dauerthema oder zum Tabu. Beides ist belastend. Ich erlebe oft, dass Paare über alles sprechen können – Kinder, Arbeit, Finanzen – aber Sexualität wie einen heiklen Nebenraum behandeln, den man nur betritt, wenn es gar nicht mehr anders geht.
Am Anfang einer Beziehung trägt Sexualität enorm zur Verbindung bei. Sie ist exklusiv, aufregend, identitätsstiftend. Mit den Jahren kommen andere verbindende Elemente dazu: Vertrauen, Verlässlichkeit, Alltag. Das ist wertvoll, kann aber auch dazu führen, dass Sicherheit Überhand nimmt. Zu viel Verschmelzung nimmt der Sexualität ihre Spannung. Wenn man sich komplett kennt, sich gehen lässt, sich vielleicht auch selbst ein Stück aufgibt, bleibt wenig Raum für Begehren. Leidenschaft braucht Nähe, aber auch ein Gegenüber, das noch als eigenständige Person spürbar ist.
Ein weiteres grosses Thema ist der Erwartungsdruck rund um den Orgasmus. Viele Frauen glauben, mit ihnen stimme etwas nicht, weil sie nicht durch Penetration zum Orgasmus kommen. Dabei zeigen Studien ziemlich klar, dass Männer beim Sex in etwa 70–90 % der Fälle einen Orgasmus haben, Frauen hingegen nur in rund 40–50 %. Dieser Unterschied wird selten offen benannt, wirkt aber stark im Hintergrund. Das Bild, wie Sex zu funktionieren hat, hält sich hartnäckig, obwohl es mit der Realität vieler Körper wenig zu tun hat. Pornografische Skripts verstärken diese Erwartungen auf beiden Seiten und erzeugen Druck statt Lust. Spannend ist, dass Frauen in lesbischen Beziehungen deutlich häufiger zum Orgasmus kommen – etwa in 70–75 % der Fälle. Das spricht weniger für einen biologischen Unterschied als für mehr Kommunikation, weniger starre Abläufe und eine Sexualität, die sich stärker am tatsächlichen Empfinden orientiert als an einem vorgegebenen Drehbuch.
In der Therapie geht es deshalb oft nicht darum, Techniken zu verbessern, sondern Bedeutungen zu klären. Was heisst für uns erfüllender Sex? Muss er immer mit einem Orgasmus enden? Was macht Nähe für mich aus? Und wo habe ich mich vielleicht zu lange angepasst, statt ehrlich zu sein? Diese Gespräche führen viele Paare zum ersten Mal wirklich – manchmal nach zehn oder fünfzehn Jahren Beziehung.
Sexualität in langen Beziehungen braucht keinen Perfektionsanspruch, aber sie braucht Aufmerksamkeit. Sie verschwindet selten plötzlich. Meistens wird sie übergangen, vertagt oder aus Scham relativiert. Und genau deshalb lohnt es sich, hinzuschauen. Darin liegt die Chance, etwas zu finden, das sich lebendig, freiwillig und stimmig anfühlt – für beide.



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